Museums-Pferdebahn

Gemütlich klappert der Bollerwagen, nur das Rauschen des Windes durchbricht die Ruhe. Ungezwungen flanieren Sie durch pittoreske Straßen, streifen über ausgedehnte Wanderwege in den Dünen, Wiesen und Wäldchen. Der ungewöhnlichste und beschaulichste Weg, die Insel zu entdecken, ist wohl eine Fahrt mit der Museums-Pferdebahn – das erste Schienenfahrzeug in Deutschland, das von einem Pferd gezogen wird.

Auf historischer Strecke fahren Sie vom ehemaligen Bahnhof zum Westend, und wenn Sie wollen, auch wieder zurück. Die Fahrzeit der Pferdebahn beträgt ungefähr 15 Minuten.

Filmtipp: NDR: Typisch! Der Pferdebahner von Spiekeroog!

Abfahrtzeiten

Die Bahn fährt von Mitte April bis Mitte Oktober, täglich um 12:00, 13:00, 14:00, 15:00 und 16:00 Uhr ab Inselbahnhof | Westerloog.

Die Rückfahrt erfolgt jew. 45 Minuten später. Wind und Wetter vorbehalten.  Der Wagen hat 16 Sitze und 4 - 6 Stehplätze.

Gruppen melden sich bitte vorher unter der Nummer 0177 5120519 an. Christian Roll, Noorderloog 25, 26474 Spiekeroog

Fahrpreise: Einfache Fahrt: Erw. 3,00 € (4,00 € Hin- u. Rückfahrt), Kinder (3-11 Jahre) 2,00 € (3,00 € Hin- u. Rückfahrt), Hunde 2,00 €, große Hunde nur nach Absprache.


Pferdebahn Spiekeroog von 1885 bis heute

Eine besondere Attraktion für ihre Urlaubsgäste hat die ostfriesische Insel Spiekeroog aufzuwarten: die einzige Fahrplanmäßige verkehrende Museumspferdebahn in Deutschland. 
Hans Roll, ein Eisenbahnfreund aus Pforzheim, erfuhr 1980 von der Einstellung der Inselbahn auf Spiekeroog. Er beschaffte vom Stuttgarter Straßenbahnmuseum einen offenen Sommerpferdebahnwagen aus dem Jahre 1886 und begann am 31. Mai 1981 mit den Fahrten auf der historischen Strecke zum Westend.
Historisch deshalb, denn auf Spiekeroog fuhr bis 1949 die letzte deutsche Pferdebahn als Verbindung zwischen Schiffsanleger und Dorf. 1949 wurde die Bahn dann auf Dieselbetrieb umgestellt und nach der Einweihung des neuen Hafens 1981 eingestellt.

Als erste Bahn überhaupt auf einer Nordseeinsel hatte das Pferdezeitalter auf Spiekeroog am 9. Juli 1885 mit einer 1,7 km langen Schienenverbindung von der Dorfmitte bis zum damaligen Herrenbadestrand im Westen der Insel begonnen. Da zwischen dem Herren- und Damenbadestrand eine 0,5 km lange Pufferzone bestand, mussten die Damen schon vorher aussteigen, um über den "Damenpad" ihren Strand zu erreichen. Zur gemeinsamen Rückfahrt traf man sich wieder in dem an der Endstation gelegenem Restaurant „Givdbude“, das 1962 während einer Sturmflut zerstört wurde. 

Erst im Jahr 1912 wurde am Westend ein Familienbadestrand eingerichtet. Das „Old Laramie“ war von 1934 bis 1945 zum Flughafengebäude umfunktioniert worden. Spiekeroog hatte den einzigen Flughafen der Welt, dessen Passagiere von einer Pferdebahn abgeholt wurden. Man hatte damals, kurz nach Inbetriebnahme der Pferdebahn, schnell gemerkt, welche ungeahnten Möglichkeiten ein schnelles und komfortables Transportmittel auf der Insel bot, gab es seither nur schwer befahrbare Sandwege. Man erweiterte deshalb 1892 die Bahnstrecke mit einer Abzweigung ins Wattenmeer, um ankommende Gäste besser und bequemer in das Dorf fahren zu können. Bis dahin gab es nur hochrädrige Wattkarren, deren Komfort nicht einmal den der damaligen Kutschen erreichte.

Die Insulaner legten somit die Gleise einfach in das Wasser neben die schon früher gebaute Landungsbrücke, so das man, wenn man Glück hatte und die Wellen es zuließen, trockenen Fußes vom Schiff in die Pferdebahnwagen gelangen konnte. Da die Schiffe bei Flut ankamen, standen die Wagen oft bis über die Räder und die Pferde bis zum Bauch im Wasser, so das die Pferde schon nach wenigen Dienstjahren an Rheuma erkrankten und ausgetauscht werden mussten. 

Im Gegensatz zu den übrigen Pferdebahnen gingen die Pferde seitlich auf festen Grasnarben, da ein bedecken der Schwellen mit Sand und Kies wegen Überschwemmungen nicht möglich war. Bei Ankunft eines Dampfers standen die Pferdebahnwagen zur Abholung der Gäste bereit. Man fuhr mit soviel Wagen zum Anleger wie der Dampfer gelbe Flaggen gehisst hatte. Niemand sollte auf der ungeschützten Landungsbrücke zurück bleiben müssen. Ab Windstärke sechs ruhte wegen der hohen Wellen jeglicher Verkehr zwischen der Insel und dem Festland. Dies änderte sich 1949 mit den neuen Dieselzügen und einer neuen Anlegestelle für Schiffe. 
 
Seit 1981 verkehrt nun wieder diese Pferdebahn zur Freude der Gäste in den Sommermonaten. So blicken wir stolz auf eine über 114 jährige Tradition zurück, die nun wieder hoffentlich für lange Zeit fortgesetzt wird.